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War das der Zirkus von morgen?
von Roman Glaser
Bei dem Wort Kinderzirkus denke ich meistens an pädagogische
Projekte mit dem Motto: "Spielen wir Zirkus!" Da dies
beim russischen Kinderzirkus, der vom 2.-4. März in Wien
gastierte nicht der Fall ist, sollten sie sich vielleicht besser
Russische Zirkusschule nennen. Denn das sind sie auch.
Die Artisten, alle zwischen 6 und 18 Jahren haben eine breit gefächerte
Ausbildung in Zirkustechniken genossen, die 3-4 Stunden täglich
bedarf. Und allem vorweg, technisch sind diese jungen Russen phantastisch
gut drauf. Nicht nur in ihren jeweiligen Spezialdisziplinen, sondern
auch in allem was ein Artist noch so alles können muss (Bodenakrobatik,
Jonglage, Clownerie).
Einzelne Nummern begeisterten mich, nicht nur wegen der frischen
Art wie sie vorgetragen wurden, sondern weil ich sie bei den "alten"
Zirkusprofis in dieser Form noch nie sah. So z.B. eine Rollabolla-Nummer
(das ist ein Rohr auf das ein Brett gelegt wird, auf dem der Artist
steht und balanciert), wo gleich zwei junge Artisten Akrobatikfiguren
zeigten, aber bei den Wechseln nie abstiegen. Dabei kam es zu
unglaublichen Verrenkungen, die aber immer ausgeglichen wurden.
Weiters eine Hulahup-Reifen-Nummer, die einige gleichartige chinesische
Nummern alt ausehen lies. Die Reifen wurden dabei nicht nur von
allen Körperteilen bewegt, sondern auch in der Luft jongliert.
Trotz alldem wollte sich der Zirkusflair nicht richtig einstellen.
Das lag vor allem an der Art der Präsentation. Das Programm
raste nach Art eines Video-Clips am Zuschauer vorbei. Es gab kaum
Zeit zu klatschen oder Atem zuholen. Die Musik hämmerte in
Chartmanier so laut, dass jeglicher Applaus erstickt wurde. Ist
das der Zirkus von morgen?
Oder ist es die russische Vorstellung mit MTV-kompatiblen Programm
im Westen Erfolg zu haben?
Zirkus sollte die Chance wahrnehmen dem Puplikum eine Pause im
alltäglichen Leben zu bieten. Ein MTV-Programm können
sich Kinder rund um die Uhr im TV ansehen, daher gerät ein
gleichartiges Zirkusprogramm auch schnell in Vergessenheit. Trotzdem
wurde dieses Programm mehrfach ausgezeichnet, wohl als Wegweiser
in die Zukunft.
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