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Dass Sportakrobatik schon seit 15 Jahren in Österreich betrieben
wird ist kaum bekannt. Im Jahre 1985 wurde von ein paar Individualisten
der Österreichische Sportakrobatik Verband gegründet. Damalige treibende
Kraft war Stefan Fürst, der in der Wiener Turnszene kein Unbekannter
war, und 1988 bei der Weltmeisterschaft der Sportakrobatik in Antwerpen
teilnahm. Es wurde mit Hilfe von Leopold Berndl und Elisabeth Göbel
ein, der österreichischen Sportakrobatik angepasster Wertekatalog
geschaffen, der im Laufe der Jahre immer wieder reformiert wurde
und so zu der Weiterentwicklung der Sportakrobatik in Österreich
sorgte.
Die weitverbreitete Meinung Sportakrobatik sei für ausgediente Turner,
ist Unsinn, auch wenn sich solche der Sportart zuwenden. In den
Hochburgen der Akrobatik, den russischen Staaten, ist Sportakrobatik
eine eigenständige Sportart und erfährt kaum Berührungen mit dem
Geräteturnen. In Wahrheit ist die Akrobatik die älteste Turnsportart
der Welt, die im alten Ägypten ca. 2300 Jahre vor Chr. ihre Wurzeln
hat.
Das Wort Akrobatik findet seinen Ursprung in dem griechischen Wort
akrobatos (Er, der auf Fußspitzen steht) und entwickelte sich über
die Zirkusartistik in die heutige Zeit zur Sportart.Sportakrobatik
und Turnen haben aber trotzdem sehr viele Gemeinsamkeiten, vor allem
im Bereich der Körperspannung,Flugkoordination, Gleichgewichtsgefühl,
Beweglichkeit u.s.w. Im Gegensatz zum Turnen benutzen die Sportakrobaten
keine Geräte, sondern nur den menschlichen Körper um Höhe und Flugphasen
zu erreichen.
Der wohl größte Gegensatz zum Turnen ist, dass Sportakrobatik eine
Teamsportart ist. Eine Übung ist nur mit 2- oder mehr Personen möglich,
deren individuelles und turnerisches Können, sowie deren kooperative
Fähigkeiten gefragt sind. Die Sportler müssen körperlich und psychologisch
sehr nah zusammenarbeiten können. Die individuellen Fähigkeiten
sind die Grundlage für die gemeinsamen Akrobatikelemente und werden
am Anfang im Training vermittelt. Kraft, um den Partner zu halten
und vor allem gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Beweglichkeit,
ohne die die meisten Elemente gar nicht möglich wären und ebenfalls
um die Verletzunggefahr zu vermindern. Körperspannung, ohne die
der Unterpartner den Oberpartner nie ausbalancieren könnte. Mut,
um die Höhe und Fluphasen zu verkraften. In der Regel steht der
obere Partner im Blickpunkt, kann aber nur so viel leisten, wie
ihm der Unterpartner an Möglichkeiten vorgibt. Der Oberpartner findet
kein fixes berechenbares Gerät vor, sondern einen Menschen mit all
seinen Stärken und Schwächen, der schier Unglaubliches an Kraft,
Reaktionsschnelligkeit und Einfühlungsvermögen leisten muss, um
die Übung zu absolvieren.
Zusätzlich zu den individuellen Fähigkeiten werden die gemeinsamen
Aspekte trainiert. Zu aller erst gehört Vertrauen dazu. Der Oberpartner
darf sein Gleichgewicht nicht kontrollieren, sondern muss das dem
Unterpartner überlassen. Dazu muss er sicher sein, dass der Partner
den anderen sicher balanciert oder auffängt. Weiters sollen sich
Partner für ihre Leistungen respektieren. Der Unterpartner schätzt
den Mut und das Vertrauen seines Oberpartners und der Oberpartner
würdigt den Kraftaufwand und die Sicherheit seines Unterpartners.
Eine der schwierigsten Fähigkeiten der Sportakrobatik ist die Synchronisation
von Tempo-Elementen. Die Kunst des Unterpartners ist, in zeitlich
richtig koordinierter Folge den Absprung des Oberpartners mit einer
Wurfbewegung zuerst aus den Beinen und dann aus den Armen kraftvoll
zu unterstützen. Es entsteht dabei ein doppeltes Spannungsverhältnis,
das mittels vieler Versuche mit Sicherheitslonge und dicken Matten
geübt wird.
Damit sich die Akrobaten an die ständig steigenden Belastungen und
die immer labiler werdenden Balancen gewöhnen, wird das Prinzip:
Vom Einfachen zum Komplizierten verwendet. Die Balancen werden langsam
höher, die Auflagepunkte immer kleiner. Die Tempo-Elemente werden
im Laufe der Zeit, auf immer labileren Stützpunkten gefangen und
die Sprünge werden komplizierter. Das Training gipfelt im Auftritt
oder Wettkampfübung, in der die Elemente sicher und anscheinend
leicht geturnt werden. Was in der Sportakrobatik derzeit alles möglich
ist, ist bei internationalen Großveranstaltungen zu beobachten.
Die Wettkämpfer haben ein schier unerschöpflische Repertoire an
unmöglich scheinenden Elementen. Diese Veranstaltungen mit Worten:
"so wie Zirkus", zu beschreiben wäre gelinde gesagt eine Untertreibung.
Die Übungen im Wettkampf werden national, sowie im internationalen
Bereich, auf einem 12x12m großen Turnboden ausgeführt und von einem
Kampfgericht bewertet. Die Präsentation erfolgt mit Musik und Choreographie,
ausgenommen die Balance-Übung der Männergruppe. Beides sollte harmonisch
aufeinander abgestimmt sein und mit Balance-Elementen (Balance-Übung)
oder Tempo-Elementen (Tempo-Übung) durchsetzt sein. Es ist auch
eine kombinierte Übung möglich, die aus einer Mischung von Balance-
und Tempoübung besteht.
Doch Sportakrobatik ist nicht nur ein Leistungsport, sondern ist
in vielen unterschiedlichen sportlichen Schichten anzutreffen. Die
Mutter, die ihr Kind "fliegen" läßt, also das Kind auf den Beinen
balanciert betreibt Akrobatik, sowie ein Sportlehrer, der seine
Schüler aus sozialpädagogischen Gründen menschliche Pyramiden bauen
läßt. Viele Übungen des allgemeinen Turnens und Shows, die beispielsweise
bei der Gymnastrada gezeigt werden enthalten viele Elemente der
Sportakrobatik. Die Gemeinsamkeit der Übung ist in der Sportakrobatik
die treibende Kraft, wobei Raum und eine, oder mehrere Matten ausreichen
um damit zu beginnen. Die Verantwortlichen in der Sportakrobatik
Österreichs wollen, neben dem Wettkampfsport auch diesen Bedürfnissen
gerecht werden und arbeiten an Unterrichtsunterlagen für Sportlehrer,
sowie an Kursprogrammen zur Einführung der Sportakrobatik in Vereinen
mit Methodik für einfache Akrobatikfiguren. Die Zukunft wird zeigen
wie sich die Sportakrobatik nach der Vereinigung mit dem Turnverband
in der Turnfamilie einfindet. Die Weichen in Österreich sind gestellt,
nachdem die Sportakrobatik als Fachsparte in den Österreichischen
Fachverband für Turnen aufgenommen wurde. |
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