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Die Weltmeisterschaft der Sportakrobatik
vom 2. bis 5. Nov. in Wroclaw wurde zweifelsohne zum besten internationalen
Sportakrobatikevent der letzten Jahre. Neue schwierigste Elemente
und unübertroffen schöne Choreografien bestimmten den Wettkampf.
Wieder einmal untermauerte Rußland seinen Führungsanspruch in
der Sportakrobatik mit 11 Goldmedaillen, dahinter das zweite Paradeland
China mit 4 Weltmeistertitel.
Sportakrobatik hat in Polen Tradition. Daher ließen die Veranstalter
rund um Konrad Zielinski es sich nicht nehmen in der neu erbauten
Hall Orbita die 17. Weltmeisterschaften der Sportakrobatik stattfinden
zu lassen. Hohes Niveau bestimmte die Veranstaltung in der 15
Welttitel zu vergeben waren, 3 in jeder Formation.
Damenpaare:
Bei den Damenpaaren entwickelte sich ein Zweikampf zwischen Rußland
und China. Um den dritten Platz duellierten sich Belgien und Großbritannien.
Erster Höhepunkt der WM das Damenpaar aus China mit traumhaften
einarmigen Handstandkombinationen, aber mit zu harmloser Choreografie,
welche sie letztendlich den Titel kostete. Rußland, wie gewohnt
mit Spitzenleistung und toller Choreografie. Sie kratzen knapp
an der Höchstnote 10,0 vorbei und gewannen alle
3 Titel (Mehrkampf, Balance und Tempo). Höhepunkt der russischen
Übung war eine Brücke der Unterfrau mit nach oben gestreckten
Bein und darauf der einarmige Handstand der Oberfrau. Das Duell
um das beste westeuropäische Damenpaar ging knapp an Großbritannien,
die den Belgierinnen die Mehrkampfbronze wegschnappten. Es gingen
zwei Bronzeplätze an Großbritannien und ein 3. Platz an Belgien.
Für eine Überraschung sorgte das Damenpaar aus Australien mit
ihrem Finaleinzug. Das international unbekannte Paar sicherte
sich mit einer solide vorgetragenen Übung dreimal den 6. Platz.
Gemischte Paare:
Das russische gemischte Paar Jakovlev Andrei/Lymareva Polina sorgten
für einen weiteren Höhepunkt. Viermal die Höchstnote von 10,0
in fünf vorgetragenen Übungen sicherten ihnen souverän alle Titel
die es in dieser Formation zu vergeben galt. Den Mehrkampf gewannen
sie sogar mit der Traumnote von 30,0, der höchsten je erzielten
Mehrkampfwertung. Bei diesem russischen Paar sind einfach keine
Fehler zu sehen. Akrobatikelemente in Höchstschwierigkeit fließen
übergangslos in wunderschöne Choreografie über. Die Ausstrahlung
der Beiden ist so spürbar, dass die ganze Halle den Atem anhält,
um dann in Begeisterungstürme auszubrechen. Höhepunkt der Übung
ein 6/4 Salto rückwärts gestreckt, in der Hüfte von Andrei gefangen.
Hinter den Beiden gab es eine eigene Meisterschaft, im Mehrkampf
setzte sich Bulgarien vor China durch. Überraschend gut das amerikanische
Paar mit einem 3. Platz in der Tempoübung und einem 4. Platz im
Mehrkampf.
Herrenpaare:
Bei den Herrenpaaren stellte sich nur bei zwei Paaren die Frage:
"Wer wird vorne sein? China oder Rußland?" Das chinesische Paar
(Song Min/Li Renjie ), weltberühmt für seine extrem schwierigen
Elemente entschieden die Balanceübung für sich. Highlight ihrer
Übung: Unterpartner im Handstand, der Oberpartner turnt auf seinen
Beinen wie an den Ringen, erst Handstand, dann freie Stützwaage,
Stützkreuz, Kreuzhang und wieder hoch!! Im Finale bekamen sie
dafür eine 10,0. Die Tempokür nahmen die Beiden dann doch zu locker
und bauten einen kapitalen Fangfehler (0,5 Punkte Abzug). Damit
war der Weg frei für das russische Paar (Anikin/Batrakov), die
dann Tempoübung und Mehrkampf gewannen. Highlight ihrer Tempokür,
ein gestreckter Auerbachsalto mit Doppelschraube von den Schultern
des Partners. Zweite des Mehrkampfes wurden das weißrussische
Paar (Aleksej Liubezny/ Anatoly Baravikov) mit einer sauberen
Leistung und grandiosen einarmigen Handstandvariationen. Dritte
wurde das bulgarische Paar.
Damengruppen:
Die Gruppen bieten wie immer die spektakulärste Show. Bei den
Damengruppen (3 Damen) hat wiederum Rußland die Nase vorne. Das
Trio zeigte einen 3 ¼ Salto gefangen und damit die meisten Saltodrehungen
des Wettbewerbes. Die anderen Elemente kamen auch sicher mit gewohnt
schöner Choreographie und sie wurden mit 3mal Gold belohnt. Die
Zweitplazierten aus China sind in der Schwierigkeit der Elemente
unübertroffen, z.B. Dreierpyramide übereinander, während die Unterste
in den Spagat rutscht, selbstverständlich mit der Oberfrau im
einarmigen Handstand. Wiederum schwächere Choreografie ließ sie
hinter den Russen bleiben. Die zweifelsohne schönste Übung zeigten
die drittplazierten Weißrussinnen, die auch Juniorinnen Europameister
sind. Mit ihrer tollen Ballettchoreographie bezauberten sie die
zahlreichen Zuschauer.
Herrengruppen:
Bei den Herrengruppen bot ein, zum Vorjahr veränderter und verjüngter
chinesischer Vierer die beste Show und hatte das Publikum fest
an seiner Seite. Nach den Fehlern des ehemaligen Vierers bei der
Turngala der Olympischen Spiele in Sydney, zogen es die chinesischen
Offiziellen vor die Formation umzustellen. Mit Erfolg. Trotzdem
die russischen Konkurrenten technisch brillanter erschienen, sicherten
sich die Chinesen alle Titel bei den Herrengruppen. Dritte wurden
zweimal Bulgarien (Balance und Mehrkampf), die sich seit der vorjährigen
WM stark gesteigert hatten und Weißrussland (Tempo). Für eine
kleine Sensation sorgten die Vierer aus der Ukraine und Weißrussland.
Die normal sehr sicher stehenden Pyramiden in der Balance-Übung
brachen zusammen (0,0 Punkte). Standard in dieser Liga sind Doppelsalto
in allen Variationen, von gehockt bis Doppel-zukahara, in 6 -
7 Meter Höhe mit anschließender sicheren Landung in einem Handkreuz
der Unterpartner.
Nachlese:
Die WM war sehr gut organisiert und ein riesiges Happening für
das vorwiegend polnische Publikum. Leider wurden die Zuschauer
sehr dürftig mit Informationen versorgt. Lediglich die Anzeigetafel
diente als Quelle. Es gab keine öffentlichen Startlisten, geschweige
denn Ergebnislisten. Diesen Punkt sollte die FIG überdenken und
ihn als Standard für die Organisation von Wettkämpfen festlegen.
Es fehlten leider auch die Mitarbeiter von worldsport.com, die
im Jahr zuvor bei der WM in Belgien noch eine hervorragende Online-Medienarbeit
vollbrachten. Nun muß sich die FIG ernstlich überlegen, wie sie
die Sportakrobatik medial bekannt macht, sonst rückt das Ziel
sie zur olympischen Sportart zu machen in weite Ferne.
Die nächsten Weltmeisterschaften sind nunmehr in zwei Jahren in
Riesa in Deutschland, dazwischen nur mehr die Europameisterschaft
nächstes Frühjahr in Portugal. Ab 2003 soll es dann nach Plänen
der FIG eine Weltcup-Serie in der Sportakrobatik geben. Vielleicht
sind dann ja auch österreichische Teilnehmer dabei.
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