Norbert Ceipek
Im Interview mit Roman Glaser, der Präsident des Österreichischen Sportakrobatik Verbandes, Norbert Ceipek.

RG: Norbert, wie bist Du zur Sportakrobatik gekommen?

NC: Das ist eine gute Geschichte. Der Stefan Fürst kannte mich von der Schi-Akrobatik und hat gewusst, dass ich einiges im Schi-Akrobatik Verband weitergebracht habe. Als die Schi-Akrobatik in den ÖSV eingegliedert wurde und einiges an Geld im Spiel war, traten plötzlich Intrigen in Erscheinung und ich sagte "nein" dazu. Ich habe damals meine Ämter zurückgelegt und vier Tage später stand Stefan vor meiner Tür und sagte: "Norbert, ich weiß Du bist jetzt frei, Du musst uns helfen". Ich sagte ihm:" Ich habe keine Ahnung von Sportakrobatik". Er entgegnete: "Ahnung habe ich, Du kennst Dich aus mit Vereinen und hilf uns nur die Vereinsbasis auf gesunde Füße zu stellen". So bin ich zur Sportakrobatik gekommen.

RG: Wie ging es dann weiter?

NC: Stefan hat mittels eines Agreements mit dem damaligen Präsidenten des Wiener Stadtschulrates einmalig Sponsorgelder in der Höhe von 200.000.- Schilling aufgetrieben. Er engagierte dafür einen Trainer, der das ganze Budget beanspruchte. Es war aber die Basis für die Gruppe von ehemaligen Turnern, die sich um Stefan gebildet hat. Sie haben damals hart trainiert, viel dazugelernt und sind dann sogar zu Weltmeisterschaften gefahren, wo sie den 6. Platz belegten. Das war die Basis der Sportakrobatik in Österreich. In der Verbandsebene fand dann ein Wechsel statt. Viele Funktionäre und Politiker verabschiedeten sich, weil Sie erkannten, dass Sportakrobatik keine Sportart ist um sich zu profilieren. Übrig geblieben sind die Idealisten, die bis zum heutigen Tag noch dabei sind und den Verband auf einer gesunden Basis halten.

RG: Wenn Du eine derzeitige Bestandsaufnahme machen würdest. Wie steht die Sportakrobatik heute in Österreich da?

NC: Recht gut! Die beständige Arbeit, die von den Landesverbänden Wien und Niederösterreich gemacht wurde zeigt jetzt ihre Früchte. Viele Vereinsfunktionäre stützen diese Verbände mit ihrer Arbeit und profitieren wiederum in ihren Vereinen davon. Der steirische Landesverband hat sich leider nie wirklich konstituiert. Der Landesverband in Kärnten hat sich von der Linie aller anderen abgespalten und ist nur im Schulsport tätig. Aber ich bin froh, dass die Arbeit auf technischer und organisatorischer Ebene so gut war, dass wir nun würdig sind in den Österreichischen Turnverband aufgenommen zu werden und, dass wir einen Sportakrobatik Verband übergeben können, der auf einer gesunden finanziellen Basis steht und ausreichend über das spezifische Wissen verfügt. Wir bringen auch einen Stamm an Sportlern mit, auf den man weiter aufbauen kann.

RG: In Osteuropa werden Turnverbände und Sportakrobatik-Verbände eigenständig bleiben. In Westeuropa fusionieren zusehends mehr Verbände im Turnsport. Wie siehst Du die Situation diesbezüglich in Österreich?

NC: Wir könnten in Österreich als Verband eigenständig bleiben und damit eigene Sponsoren, eigene Strukturen und Handlungsfähigkeit auszubilden. Aber da der internationale Sportakrobatik Verband in den internationalen Turnverband eingegliedert wurde, hätte er die Möglichkeit uns von entscheidenden Informationen und internationalen Wettkämpfen auszuschließen. Daher haben wir vor einem Jahr mit dem Turnverband Gespräche aufgenommen und nun zum Abschluss gebracht. Ende September werden wir vom Turnverband aufgenommen und ich denke, dass beide Parteien davon profitieren werden.

RG: Wie wird Deiner Meinung nach die Zukunft der Sportakrobatik in Österreich aussehen?

NC: Ich hoffe, dass die Sportakrobatik in Österreich Ihren erfolgreichen Weg weitergehen kann. Ich hoffe auch, dass die Sportakrobatik das Interesse der Funktionäre des ÖFT erringen wird, da es eine attraktive und teamorientierte Sportart ist. Außerdem ist sie schön anzusehen. Wir benötigen keine Geräte, sondern nur den Partner. Somit ist der Partner das Gerät. Ich denke, die Ernsthaftigkeit mit der die Sportakrobaten an die Sportart herangehen und die Attraktivität der Sportart wird die Funktionäre und Fans des Turnsports überzeugen. Es ist auch an der Zeit, dass sich Sponsoren für die Sportart interessieren, weil die Sportart sehr publikumswirksam ist.

RG: Wie sieht Deine Zukunft nach der Eingliederung in den ÖFT aus?

NC: Nach der erfolgreichen Übergabe des Sportakrobatik Verbandes an den ÖFT werde ich mich aus der Verbandstätigkeit zurückziehen, weil ich in wegen meines Berufs die Zeit nicht habe um zwei verantwortungsvolle Tätigkeiten auszuüben. Ich werde aber immer beratend zur Verfügung stehen, welches natürlich auch einer zeitlichen Begrenzung unterliegt. Die Sportakrobatik entwickelt sich weiter und irgendwann werde ich keine Ahnung haben, was Sache ist. Ich möchte aber die Freundschaften und die Zeit nicht missen, die ich in der Sportakrobatik verbracht habe und werde natürlich bei den Wettkämpfen erscheinen, um die Weiterentwicklung zu beobachten.

RG: Ich wünsche Dir viel Erfolg in der kommenden Zeit und danke Dir für das Gespräch.
 
 

 

Norbert Ceipek
Präsident des Österreichischen
Sportakrobatik Verbandes

   
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